Wie T-Mobile den US-Markt erobert

29. Juli 2016 | Sonstiges | 0 Kommentare »

Während uns der magentafarbene Traditionskonzern in Deutschland eher konservativ erscheint, macht T-Mobile in den USA immer wieder medienwirksam auf sich aufmerksam und lässt mit seinen Quartalsergebnissen auch die deutschen Kassen klingeln.

Telekom-logo mit Posthorn

Als die Bundespost 1995 privatisiert wurde, ging aus dem Bereich der Telekommunikationsdienste die Telekom hervor. Mit dem medienwirksamen Börsengang im Folgejahr hatte das zuvor hoch verschuldete Unternehmen Millionen Börsenmuffeln erstmals den Aktienmarkt schmackhaft gemacht und so die „Volksaktie“ geschaffen. „Wer die T-Aktie kauft, kauft auch ein Stück Zukunft“, predigte der damalige Vorstand, Ron Sommer.

1998 wurde der Konzern in vier Sparten – darunter T-Mobile für den Mobilfunkbereich – aufgeteilt. Mit mehreren Börsengängen wurden insgesamt über 11 Milliarden Euro eingesammelt. Doch die Ersteigerung einer UMTS-Lizenz für 8,5 Milliarden Euro, eine zwei milliardenschwere Korrektur des Immobilienbestandes und der Kauf des US-Mobilfunkkonzerns VoiceStream für weitere 50,7 Milliarden Euro ließen die Aktie nach der Jahrtausendwende ebenso schnell fallen, wie sie gestiegen war.
1998 wurde das staatlich garantierte Monopol der Telekom aufgehoben und somit der Weg für Mitbewerber geebnet. Dem Preisdruck der neuen Billig-Konkurrenz, wie der eigenen Tochter congstar, versuchte der Marktführer durch Qualität und Prestige, wie dem exklusiven Verkauf des iPhones, zu begegnen.

Deutscher Markt

Mit rund 40 Millionen Mobilfunkkunden gehört der, seit 2010 wieder unter dem Namen Telekom Deutschland GmbH agierende Konzern, noch immer zu den Spitzenreitern in Deutschland. Mit seinem Angebot Magenta1 verbindet die Telekom mehrere Verträge und will so die Übersichtlichkeit erhöhen.

Aus der Übernahme des Mobilfunkanbieters VoiceStream entstand in den USA 2001 die Telekom-Tochter T-Mobile US Inc., welche vom Mutterkonzern fünf Milliarden Euro zum Erwerb weiterer Lizenzen erhielt. Der bis dahin relativ kleine Anbieter baute sein Netz als einziger auf dem US-Markt nach dem europäischen GSM-Standard auf und konnte sich – anders, als in Deutschalnd – durch günstige Preise auch bei jungen Leuten behaupten. Man verpasste es jedoch, das Netz konsequent weiter auszubauen. Durch das löchrige Netz gingen T-Mobile ab 2009 immer mehr Kunden verloren. Als der Mobilfunk-Primus AT&T 2011 anbot, die angeschlagene Billig-Konkurrenz für 39 Milliarden US-Dollar aufzukaufen, nahm man das Angebot dankend an, doch die amerikanischen Wettbewerbshüter ließen den Deal platzen. T-Mobile konnte sich über 3 Milliarden Dollar Entschädigung und wichtige Funkfrequenzen freuen, die ihnen aufgrund der Vertragsauflösung zustanden. Daraufhin setzte man 2012 den bewährten John Legere als Vorstand ein, der das sinkende Schiff retten sollte.

Aufgrund seiner vollmundigen Ankündigung, den Konzern umzukrempeln und wegen seines rauen Umgangstons war Legere schnell als „Großmaul“ verschrien. Auf Twitter bestätigte er den Ruf, indem sich der Frontmann des Unternehmens regelmäßig Schlachten mit der Konkurrenz liefert.
Doch Legere hielt Wort und stellte einiges auf den Kopf: Bei öffentlichen Auftritten trug der neue Vorstand statt Anzug und Krawatte, rebellisch das rosa T-Mobile-Hemd unter seiner Lederjacke und bot den Kunden jeden Dienstag kostenlose Pizza, Milchshakes und Leihfilme. Die dazu benötigte App wurde in den ersten zwei Tagen nach dem Start der Aktion über eine Million Mal heruntergeladen und zwangen Anfangs sogar die T-Mobile-Server in die Knie. Doch insgesamt traf er scheinbar den richtigen Ton bei der jungen Kundschaft und überzeugte sie zudem mit einigen Verbesserungen: Legere strich die Vertragslaufzeiten aus den neuen Verträgen und entkoppelte den Mobilfunkvertrag vom Smartphone-Kauf. Zudem wurde der milliardenschwere Netzausbau nachgeholt und der kleinere Konkurrent MetroPCS aufgekauft. 2013 nahm der Konzern nach jahrelangen Verhandlungen endlich auch das in den USA extrem gefragte iPhone mit ins Programm.

Mit Erfolg: Ende 2013 konnte der Konzern zum ersten Mal seit 3,5 Jahren einen Kundenzuwachs verbuchen und bereits 2015 verdrängte man mit 58,9 Millionen Kunden den Konkurrenten Sprint vom dritten Platz in der Mobilfunkbranche. Inzwischen hat Legere den Kundenstamm seit seinem Amtsantritt sogar auf 66 Millionen verdoppelt und den Wert der Aktie seit Mai 2013 um über 140 Prozent gesteigert. Damit dürfte der Mobilfunker als Übernahmekandidat erst einmal vom Tisch sein. Zwar sind amerikas Branchenführer AT&T und Verizon mit beinahe doppelt so vielen Kunden noch meilenweit entfernt, doch während der Gesamtumsatz der Mobilfunkbranche in den USA im zweiten Quaratl leicht rückläufig war, konnte T-Mobile als einziger großer Anbieter einen Anstieg von 13 Prozent verzeichnen und übertraf damit die Erwartungen an der Wall Street. T-Mobile ist damit der am schnellsten wachsende Mobilfunkanbieter der USA und lässt auch die Kassen der deutschen Mutter, welche zwei Drittel der T-Mobile US Inc. hält, klingeln.

Project fi

In Zukunft könnte der Kampf um die Kunden jedoch noch spannender werden, wenn Kabelanbierter und Internetgrößen wie Facebook und Google mit eigenen Projekten wie Project Fi auf den Markt drängen.


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