Deutsche Mobilfunknetze im Europa-Vergleich: In allem unterdurchschnittlich

28. Dezember 2018 | Mobilfunk | 0 Kommentare »

Der Ausbau der Mobilfunknetze in Deutschland ist nicht berauschend: Nachbarn wie Belgien und Holland sind uns weit voraus. Das ist bekannt. Aber auch weniger gut erschlossene Regionen in Europa hängen Deutschland locker ab – leider.

Mit dem Ausbau der deutschen Mobilfunknetze steht es nicht zum besten. Die deutschen Netzbetreiber betreiben Netze, die sich mit dem durchschnittlichen Ausbau in Europa nicht vergleichen können. Der Zustand der Netze wird von deren Nutzern regelmäßig kritisiert, nun zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung P3 Group aus Aachen, wie berechtigt diese Skepsis ist. Unsere Nachbarn in den Niederlanden, Belgien oder der Schweiz werden von deutlich besser ausgebauten Netzen versorgt.

Während dieser Umstand lange bekannt ist, ist es bemerkenswert, dass auch Polen und Albanien die deutschen Netze locker hinter sich lassen.

Tatsächlich können die deutschen Netze in keiner getesteten Disziplin punkten. Die Netzabdeckung ist in den Niederlanden mit 93% am höchsten, doch auch in Polen liegt die Netzabdeckung bei 82,5%. In Albanien liegt die Abdeckung mit 61% immer noch über der in Deutschland, hier beträgt sie nur knapp 60%. Auch die Deutsche Telekom, Betreiberin des besten deutschen Netzes, das seit Jahren alle relevanten Netztests für sich entscheidet, geht im europäischen Vergleich unter.

Auch die nutzbare Datenübertragungsrate ist im Rest Europas glatt doppelt so hoch.

Die Gründe für das jämmerliche Abschneiden der deutschen Netze sind vielfältig. So ist die durchschnittliche Verfügbarkeit immer auch eine geografische Variable, die in einem Flächenstaat naturgemäß anders ausfällt als in dicht besiedelten und flächenmäßig kleineren Ländern. Dass es nicht an wirtschaftlichen Aspekten scheitert, zeigt das gute Abschneiden von Albanien. Hier kommt in Deutschland negativ dazu, dass beim Netzaufbau zu hohe Kosten entstanden sind. Besonders die Vergabe der 3G-Frequenzen hat den Auusbauprozess massiv gebremst, denn der 3G-Standard war generell – besonders aber in Deutschland – deutlich überbewertet worden.

Das Potential einerseits und die Nachfrage andererseits waren längst nicht so ergiebig wie erwartet und die bei der Versteigerung erzielten Einnahmen zwar ein warmer Geldregen für den Staat, für die Netzbetreiber aber derart existenziell, dass nur die größten Bieter diesen Prozess überleben konnten. Leider nutzen die Betreiber dieses Argument auch heute noch, um wehleidig von den hohen Kosten des Ausbaus zu schwadronieren und den Kunden hohe Gebühren für unterdurchschnittliche Leistungen aufzudrücken.


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