Zwei Wochen mit dem iPad Pro: „Eine gute Entscheidung“

29. November 2015 | Featured, iPad | 0 Kommentare »

Ich war noch nie der typische iPad-Nutzer. Zwischen dem immer größer und dank der Apps auch deutlich leistungsstärker werdenden iPhone und dem 15 Zoll großen MacBook Pro hat sich bei mir bis dato noch kein Raum ergeben, der hätte ausgefüllt werden können. Das jedoch hat sich vor zwei Wochen geändert – das iPad Pro erweitert seither das Produkt-Portfolio und erfreut sich gerade aktiver Nutzung.

Ich sitze im Zug, habe eine etwas längere Fahrt vor mir und daher das 12,9 Zoll Tablet ausgepackt. Der Mac wäre wohl etwas sperrig gewesen, das iPhone kann auf Dauer auch nicht das Mittel der ersten Wahl sein. Also musste die Neuerscheinung ran. Doch wie schlägt sie sich? Kann das iPad Pro langfristig einen Platz im Alltag gewinnen? Was macht die Displaygröße her und wo wird es zu eng? Ein Kurztest nach zwei Wochen Nutzung.

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Das iPad Pro ist eine ganz schön flache Flunder. Dünn, ein wuchtiges Display zum Rumtippen und für diese Größe wirklich ein Leichtgewicht. Über das Design muss man wahrlich keinen Streit vom Zaun brechen: Der bekannte Look der bisherigen iPads – lediglich etwas mächtiger. Apple hat es geschafft, eine einheitliche Linie im Tablet-Segment zu etablieren, die man konsequent bis ins letzte Detail durchsetzt.

Nachdem Auspacken konnte es auch schon direkt losgehen: iPad angeschaltet, mit meiner bestehenden Apple ID verknüpft und schließlich als „neu“ deklariert. Nun taucht bereits der bekannte Homescreen auf. Und hier die erste Auffälligkeit, die man den Bildern zuvor schon entnehmen konnte: Das App-Raster hat Apple einfach nur etwas größer gezogen. Die Icons, der Platz dazwischen, das gesamte Look&Feel – es sieht einfach nicht passend aus für so viel Platz auf dem Display. Ich bewege mich auch zwei Wochen danach noch ungern auf dem Homescreen herum. Hier könnten flexiblere Elemente, Widgets oder andere Informationen erheblich auflockern. Der Raum ist da, er muss nur genutzt werden.

Ansonsten sehen auch die Apps identisch aus, wie auf den anderen iPads. Ständig habe ich das Verlangen über Multitasking ein anderes Programm mit ins Bild zu holen. Sei es iMessage stets am Rand zu haben oder die Twitter-Timeline mitlaufen zu lassen. Bei so viel Raum auf dem Bildschirm wirkt nur eine App im Vordergrund etwas zu wenig.

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Letzte Woche hat unser Autor Matthias in seiner Kolumne argumentiert, warum das iPad Pro kein Pro-Modell ist, sondern nicht mehr als ein Plus verdient hätte. Ich habe seine Worte eben nochmal im Podcast Revue passieren lassen und kann diese vollständig unterschreiben. Stichwort: Multitasking. Auf dem iPad Pro nutze ich auffällig häufig den Split-Screen Modus. Oft im 3:1-Format, seltener auch mal in der Hälfte geteilt. Ein Beispiel? Ich schreibe gerade an einem Artikel oder bearbeite ein Dokument und brauche dazu die Informationen aus dem Mailpostfach. Oder ich surfe gerade im Web und schreibe nebenbei via iMessage mit Freunden und Kollegen. Manchmal will ich auch einfach zwei Browser-Fenster gleichzeitig sehen und nutze dafür Safari und Chrome nebeneinander. Alles schön und gut – aber wirklich tief in den Workflow komme ich am iPad Pro nie. Das Bild aus dem Mailpostfach muss ich immer erst abspeichern und dann in der Mediathek raussuchen – unter Umständen noch bearbeiten. Die Links und Medien, die ich im Web finde, kann ich nicht einfach rüber in den Chat schieben, um sie meinen Freunden zu zeigen. Oder die Fenster, die ich in Safari auf habe, lassen sich nicht flott auf die andere Seite zu Chrome verschieben, weil ich diese Seite beispielsweise nur auf einem Viertel des Displays angezeigt haben möchte. Es gibt Grenzen und teilweise den einen oder anderen Schritt zu viel, der ausschlaggebend dafür ist, ob ich diese Arbeit das nächste Mal nicht eher auf einem Mac verrichte, weil es einfacher ist. Schnelle Informationsdarstellung auf dem iPad Pro? Ja. Wirklicher Produktivitätsgarant? Mit Abstrichen.

Okay, es gibt einige Apps, die es insbesondere in Verbindung mit dem Apple Pencil versprechen, kreative Arbeiten durchzuführen. Diese Apps, Apple empfiehlt sie auch im Store, sind auch wirklich nicht schlecht, aber eben nur auf ein Anwendungsgebiet ausgerichtet.

Man sollte sich aber die generelle Frage stellen: Sollte ein iPad Pro für mich die Aufgaben des Alltags oder der Arbeit, die ich sonst am Mac oder PC verrichte, erleichtern? Ich denke nicht. Matthias hat es letzte Woche sehr schön formuliert: „Das iPad Pro ist kein Notebook-Ersatz, aber für bestimmte Anwender ein Kompromiss.“ Diesen Kompromiss muss man in vollem Bewusstsein eingehen. Daher ist die Entscheidung für oder wider iPad Pro keine Entscheidung, ob, sondern wo ich die Aufgaben am besten lösen möchte.

iPad Air vs. iPad Pro

Ich habe mich beim iPad Pro für das 32 GB Modell entschieden, das ab Werk ohne LTE-Fähigkeit aufwartet. Dazu nutze ich entweder das iPhone oder einen mobilen Router als Hotspot. Die 899 Euro für ein Gerät, von dem ich nicht wirklich wusste, ob es in der Tat meinen Alltag bereichern wird, waren gewagt. Doch sie haben sich rentiert. Das iPad Pro geht – bei mir jedenfalls – auf Kosten der Nutzungsdauer vom iPhone, nicht auf Kosten des Macs. Es ist in der Lage die mobile Arbeit und das mobile Entertainment auf ein neues Level zu heben. Mit weiteren Software-Updates ist hier aber noch viel Raum nach oben. Spätestens wenn ich das nächste Mal im Zug sitze, der Mac zu sperrig und das iPhone zu klein erscheint, werde ich mir wieder imaginär auf die Schulter klopfen und sagen: Das iPad Pro war eine gute Entscheidung.


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