Kommentar zu Kurzbefehlen: Ich will nicht Apples Arbeit machen

6. Dezember 2018 | Featured, Kolumnen | 0 Kommentare »

Hurra, Die Kurzbefehle sind da – oh Schreck, die Kurzbefehle sind weg. Oh ein Glück, die Kurzbefehle sind zurück. Ehrlich, dieser kleine Reim fiel mir ohne Mühe ein, ging fast von selbst. Klingt etwas zynisch? Gewiss, denn der ganze Hype um diese Kurzbefehle ist mir völlig unzugänglich. Ich sehe hier viel mehr die Unfähigkeit Apples, ein vernünftiges Produkt zu liefern, auf beeindruckende Weise in Stein gemeißelt.

Was war plötzlich die Aufregung groß: Die Aktualisierung auf iOS 12.1.1 brachte auch ein Update der Kurzbefehle-App auf Version 2.1.2.

Doch was ist das: Auf einmal wollen die kleinen Sprach-Makros bei einigen nicht mehr. so’n Ärger. Ein Glück, Apple hat das Problem anscheinend inzwischen repariert.

Anscheinend? Richtig, ich weiß es nämlich nicht mit Bestimmtheit, hab diese kleine Krise nur oberflächlich überflogen. Ich kann mit dieser ganzen Geschichte so gar nichts anfangen und das ist – ich gebe es freimütig zu – auch der Grund, warum man hier kaum etwas über Kurzbefehle liest. – meine Kollegen sind nämlich von der App und dem ganzen Konzept mehrheitlich genauso wenig inspiriert wie ich.

Kurzer Exkurs: Kurzbefehle, das war früher die App Workflow und die war ein mächtiges Werkzeug für Power-User. Man konnte damit alle möglichen raffinierten ereignisgesteuerten Prozeduren erstellen. Passiert das, mach das.

Ist der Staubsauger müde, mach die Kaffeemaschine an. – geht die Sonne unter, stell das Flutlicht an… oder solche Sachen. Ganz ehrlich, ich habe auch davon nicht viel Ahnung, aber ich sehe zumindest, das kann spannend sein. Und einige Nerds haben auch wirklich Freude daran, die ausgefallensten Routinen zu programmieren, ob sie nun im Alltag sinnig sind oder nicht.

Für den Durchschnittsnutzer wird das ganze selten spannend. Dann kam Apple und kaufte Workflow. Und zunächst änderte sich nichts. Die App wurde dauerhaft kostenlos und alle Nutzer konnten sich an komplexen Schlaufen und Schleifen erfreuen und nur, um das klarzustellen: Das geht auch immer noch, so wie ich es verstehe.

Nur kam Apple später dann auf die Idee, sein Versagen bei der Entwicklung von Siri durch den Nutzer kompensieren zu lassen. Denn weil Siri nach wie vor fast nichts kann, soll der Nutzer sie nun anlernen.

Per Kurzbefehl kann man Siri alle möglichen Sachen beibringen, die machen zwar für mich auf den ersten Blick auch alle überhaupt keinen Sinn, aber gut. Wer eine Menge Smart Home-Geräte hat und einen Wagen mit CarPlay fährt, der kann vielleicht ganz praktische Prozeduren erstellen. Und vor lauter Freude über eine laufende Heizung beim Heimkommen vergisst er, dass er zunächst diesen Befehlssatz zusammenbauen musste. Aber wie heißt es doch so schön: Selbst gemacht, macht am meisten Freude.

Das ist aber Apples Aufgabe. Siri ist laut Stellenbeschreibung eine smarte Assistentin, doch was ist smart daran, ihr ständig alles eingeben zu müssen, was sie tun soll?

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich will eine Assistentin, die natürliche Sprache möglichst intuitiv erkennt – sprich auch verschiedene Formulierungen kapiert – und nicht von mir programmiert werden muss.

Ich will mit Siri nach einem Flug oder einem Zug suchen, fragen, ob er pünktlich ist und anschließend das Wetter am Zielort wissen und das alles, ohne vorher ein einziges verdammtes Makro erstellen zu müssen.

Doch Apple hat alle schwindelig geredet: Inzwischen gibt es gefühlt hunderte Apps, die eigene Kurzbefehle anbieten. Der DB Navigator hat Kurzbefehle für die häufigsten Reiseziele im Gepäck, Evernote und Wunderlist haben auch Kurzbefehle und Apple selbst will natürlich auch nicht fehlen.

Und Siri? Deren Entwicklung stagniert derweil. Wieso auch noch weiter dran arbeiten, wenn doch Nutzer und Entwickler das per Kurzbefehl richten. Einen einzigen Grund gibt es, der Siris Entwicklung verlangsamt: Apples Bekenntnis zum Datenschutz. Es ist aber schwer zu erkennen, was daran vorgeschoben ist, um fehlende Motivation oder Kompetenz zu verschleiern und was wirklich der Privatsphäre-Problematik geschuldet ist.

Und ich bin ein bequemer Mensch. Ich möchte meiner Assistentin sagen können, was sie tun soll und nicht an Worten herumbasteln.
und wenn ich dafür auf Datenschutz verzichten und auf Alexa-Niveau downgegradet werden muss, so möge es geschehen.

Kurzbefehle sollte das bleiben, was es früher war: Ein Werkzeug für Power-User.

Der Alltagsnutzer aber kann vielleicht noch einen Alexa-Skill akzeptieren, denn der beinhaltet im Idealfall noch etwas mehr als eine stupide Befehlsabfolge, mit Kurzbefehlen will er sich sicher nicht abmühen.

Eine Assistentin, der man alle Aufgaben mundgerecht vorkauen muss, braucht niemand.


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