Tim Cook zu Zensurvorwürfen bei Hongkong-Protesten: Müssen lokale Gesetze befolgen

12. Oktober 2019 | Apple | 0 Kommentare »

Apple reagiert auf Kritik für die Entscheidung, eine App aus dem Hongkonger App Store gelöscht zu haben, mit der Bürger die Bewegungen der Ordnungskräfte verfolgen konnten. Diese App verstoße gegen lokale Gesetze, flüchtete sich CEO Tim Cook in ein von Apple und anderen Konzernen sattsam bekanntes Argumentationsmuster.

Aktuell protestieren die Bürger von Hongkong gegen die Ausweitung des Einflusses der chinesischen Regierung, die versucht, der ehemaligen britischen Kolonie einen Festland-chinesisch geprägten gesellschaftlichen Wandel aufzuzwingen. Die Demonstrationen entzündeten sich ursprünglich an einem neuen Gesetz, das die Auslieferung Hongkonger Bürger an China zum Thema hatte.
Die Gesetzesinitiative ist inzwischen von der von China eingesetzten Regierung kassiert worden, die Proteste dauern jedoch an. Im Zuge der Demonstrationen haben sich die Hongkonger Polizeikräfte mehrfach heftige Zusammenstöße mit den Protestierenden geliefert, die den Vorwurf überzogener Polizeigewalt ins Spiel brachten.

Eine App namens HKmap.live kann dazu genutzt werden, den Aufenthaltsort und die Bewegungen von Polizei und Ordnungskräften in Echtzeit zu verfolgen, indem sie Informationen aus Messengern und sozialen Netzwerken aufbereitet. Apple hatte jedoch HKmap.live aus dem App Store entfernt und damit heftige Kritik ausgelöst, OSXi.de berichtete.

In einer E-Mail, die nun öffentlich wurde, wandte sich Tim Cook an die Apple-Belegschaft. Technologie könne viel gutes bewirken, aber auch missbraucht werden, so der Applechef. Im Fall von HKmap.live sei die App auch dazu genutzt worden, gezielt Angehörige der Polizeikräfte anzugreifen. Auch habe die App zu einer Explosion der  Straßenkriminalität geführt, wie das Hongkonger Büro für Cybersicherheit moniert hatte. Damit habe HKmap.live gegen die Richtlinien des App Store verstoßen.

Die angeführten Punkte mögen zutreffend sein, sind jedoch nur ein vorgeschobener Grund, der zudem völlig durchsichtig ist. Die Führung in Peking hatte sich eine fortgesetzte Bereitstellung von HKmap.live im App Store energisch verbeten und Apple, das von den Verkäufen in China abhängig ist, konnte sich dieser Forderung nicht entziehen. Ein solches Verhalten ist keineswegs neu, über vergleichbare Fälle haben wir in der Vergangenheit etwa hier und hier berichtet.


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